Niederösterreich will drei Spitäler schließen und Notarztstandorte reduzieren
Gesundheit
Die Standorte Hollabrunn, Korneuburg und Stockerau werden als Spitäler aufgelassen und zu einem Krankenhaus fusioniert. Außerdem soll die Flugrettung besser ausgerüstet werden

St. Pölten – Es ist ja eher ungewöhnlich, dass in Niederösterreich neben ÖVP und FPÖ auch die SPÖ bei der Vorstellung eines Regierungsprojekts anwesend ist. Die schwarz-blauen Koalitionäre dürften sich wegen des heiklen Themas zu dem Schritt entschieden haben, auch die Sozialdemokraten ins Boot zu holen.
Denn die Landesregierung will die Gesundheitsversorgung im flächenmäßig größten Bundesland reformieren. Rund 50 Expertinnen und Experten hätten seit über einem Jahr an einer Überarbeitung getüftelt, erklärte Finanzlandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) am Montag. Nun sei ein “notwendiger überparteilicher Kompromiss” erzielt worden, freute sich SPÖ-Landeschef Sven Hergovich über das Ergebnis.
Neues Krankenhaus im Weinviertel
Als größter Reformpunkt ist im “Gesundheitspakt 2040+” die Zusammenlegung der Spitäler in Hollabrunn, Korneuburg und Stockerau zu einem Krankenhaus vorgesehen. In rund 15 Jahren soll das neue Krankenhaus “Weinviertel Süd-West” in Betrieb gehen, eine Standortkommission soll über die beste Lage beraten. Bis zur Realisierung sollen die drei Häuser noch stärker kooperieren. Später sollen Stockerau und Korneuburg nicht mehr als Akutkrankenanstalten geführt werden. In Hollabrunn erfolge die Umwandlung in ein Facharztzentrum. Ebenfalls im Weinviertel wird am Standort des Medizinischen Zentrums Gänserndorf, der der Stadtgemeinde abgegeben wird, eine Primärversorgungseinheit gegründet.

“Effizientere Nutzung”
Das Expertenteam und die Landesregierung erhoffen sich davon eine “effizientere Nutzung der aktuell vorhanden Ressourcen”, erklärte Sicherheitslandesrat Christoph Luisser (FPÖ). “Unsere Gesellschaft wird immer älter. Jetzt ist die Chance, die richtigen Weichen zu stellen.”
In Klosterneuburg (Bezirk Tulln) und Waidhofen an der Thaya soll deshalb im Zuge der Umsetzung des Plans jeweils ein Zentrum für moderne Altersmedizin entstehen. Das Melker Spital soll zu einem “Leuchtturm der Pflege und Altersmedizin” weiterentwickelt werden.
In Gmünd ist außerdem eine neue Gesundheitsklinik mit Primärversorgungseinheit und Fachärztezentrum vorgesehen. Geplant ist ein Gesamtinvestment von bis zu 120 Millionen Euro, 30 Millionen Euro davon in einer ersten Phase bis 2027. Die neue Gesundheitsklinik Gmünd soll in direkter Anbindung an das bereits vorhandene grenzüberschreitende Gesundheitszentrum Healthacross Med Gmünd entstehen.
Weniger Notarztstandorte
Für Aufregung sorgte im Vorfeld vor allem die geplante Reduzierung bei den Notarztstandorten: Die Zahl der Standorte soll von 32 auf 21 sinken, wobei 15 Standorte an Kliniken angebunden werden sollen. Christian Fohringer, Geschäftsführer von Notruf Niederösterreich und Teil des Expertenteams, erklärte am Montag, dass bei vielen Alarmierungen der Notarzt schlussendlich gar nicht gebraucht werde.
In nur 20 Prozent der Alarmierungen sei ein Notarzt erforderlich, die restlichen 80 Prozent hätte auch Notfallsanitäterteam durchführen können. Deshalb werde in Zukunft ein stärkerer Fokus auf die Ausbildung zum Notfallsanitäter gelegt. Ein Notarztstandort in jedem politischen Bezirk Niederösterreich bleibt aber laut Fohringer weiterhin.
Ausbau der Flugrettung
Der Gesundheitspakt der Landesregierung sieht auch vor, dass die Flugrettung ausgebaut wird. Notfallhubschrauber sollen für Einsätze in der Nacht und bei Schlechtwetter besser ausgerüstet werden. Dazu wird etwa der Notfallhubschrauber Christophorus 3 in Wiener Neustadt auf einen 24-Stunden-Dienst umgestellt.
Schon im Herbst drangen Details des Papiers nach außen. Unter anderem wurde von Expertinnen und Experten das Aus für vier der 27 Landeskliniken vorgeschlagen – als vierte Landesklinik wurde damals die Klinik in Gänserndorf genannt. Vor allem die SPÖ stemmte sich gegen Spitalsschließungen. “Für uns war es klar: Kein Krankenhaus wird geschlossen, ohne dass rechtzeitig ein gleichwertiger Ersatz gefunden wird”, erklärte Hergovich.
Der Pakt gilt als beschlossene Sache: ÖVP, FPÖ und SPÖ wollen ihn noch diese Woche in der Landesregierung und im Landtag verabschieden. Ob auch Grüne und Neos zustimmen werden, ist offen. Die Pinken sprachen in einem ersten Statement von “offenen Fragen”. (Max Stepan, 24.3.2025)
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