Ludwig geht es um Wien, Strache will die Stadt retten

Wien-Wahl

Die SPÖ und das Team HC Strache präsentierten ihre Kampagnen für den Wiener Gemeinderatswahlkampf. Sie zeichnen darin Bilder von der Stadt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auch die Kosten liegen weit auseinander

Die Löwelstraße hinter dem Wiener Burgtheater ist für den Autoverkehr gesperrt. Dort, wo sonst Fahrzeuge parken, ist der rote Teppich ausgerollt. Bei einem Stand, an dem Kaiserschmarren ausgegeben wird, und einem mobilen Kaffeewagen wird an einer Seite Kundschaft empfangen. Von den riesigen Werbeflächen am Gehsteigrand lächelt Bürgermeister Michael Ludwig in Richtung Rathausplatz. “Es geht um Wien”, steht neben seinem Foto.

SPÖ-Landesparteisekretärin Barbara Novak hat am Freitag Michael Ludwig im Rücken, aber nicht an ihrer Seite.
Foto: APA/HELMUT FOHRINGER

Die Wiener SPÖ startet in den Wahlkampf und präsentierte am Freitag ihre erste Plakatwelle, die – unübersehbar – voll und ganz auf ihren Spitzenkandidaten zugeschnitten ist. Da schaut Ludwig mit einer Frau auf ein Tablet (“Wir schaffen Arbeitsplätze”), umarmt eine ältere Dame (“Wir halten zusammen”) oder liest mit einem Mädchen ein Buch (“Wir schaffen Bildungschancen”). Die rote Wahlkampfmanagerin Barbara Novak unterstreicht bei der Vorführung noch einmal den Fokus der SPÖ: Man habe sich entschieden, mit der Kampagne nicht zu polarisieren oder zu spalten, sondern Ludwig in den Mittelpunkt zu stellen. Nur einer ist nicht da: Michael Ludwig.

Wieso der Bürgermeister nicht bei seiner eigenen Wahlkampagnenpräsentation ist? Die SPÖ Wien habe sich dazu entschieden, diesen Termin mit Novak zu machen, lautet die Auskunft. Aber über die Plakate sei er ja dabei. Im Wiener Ausschuss, dem größten Gremium der Stadt-SPÖ, habe man zuvor im Rathaus auch das Wahlprogramm beschlossen, berichtet Novak. Da war Ludwig natürlich dabei.


Ludwig will Stadtchef bleiben

Ludwig steht auch deshalb im Fokus der Wahlwerbung, weil er in der Bevölkerung so großes Vertrauen genieße, betonte Novak. Zum einen zeige sich das in den Vertrauenswerten, zum anderen auch darin, dass Ludwig in Umfragen zu einer fiktiven Bürgermeisterdirektwahl weit über dem Ergebnis der SPÖ in der Sonntagsfrage liegt.

Video: SPÖ startet Wahlkampagne – “Es geht um Wien”
APA; Thumbnail: APA/Helmut Fohringer

Die rot-pinke Stadtregierung habe in den vergangenen fünf Jahren große Krisen und Herausforderungen bewältigen müssen. Dass das gelungen sei, sei laut Novak “vor allem einem Mann zu verdanken: Michael Ludwig”. In den kommenden 37 Tagen bis zur Wien-Wahl wolle man nicht nur auf den Bürgermeister, sondern auch auf Themen setzen: leistbares Wohnen, Bildung, Zusammenhalt und Arbeitsplätze. Für den Gemeinderatswahlkampf haben die Roten rund vier Millionen Euro budgetiert. Hinzu kommen 23 Bezirkswahlkämpfe, die insgesamt rund eine Million Euro kosten. “Es geht um viel bei dieser Wahl”, sagt Novak. Etwa darum, “ob Wien die lebenswerteste Stadt der Welt bleibt”.


Strache will einziehen

Ein ganz anderes Bild von Wien wird fast zeitgleich auf der anderen Seite der Ringstraße gezeichnet. An den Wänden in der Weinbar Vino neben dem Rathaus sind weitaus kleinere Plakate affichiert. “Unser Wien retten – sicher & sozial”, steht neben dem Bild von Heinz-Christian Strache. “Wien ist in vielen Bereichen kaputt”, sagt der ehemalige FPÖ-Chef und Ex-Vizekanzler, der wie 2020 erneut mit seiner eigenen Liste, dem Team HC Strache, bei den Gemeinderatswahlen antritt. Zur lebenswertesten Stadt der Welt werde Wien nur von “Top-Managern” gewählt. Wenn man nicht zu diesen gehöre, dann sei Wien nicht mehr so lebenswert, attestiert Strache. In manchen Gegenden würde man sich gar nicht mehr hintrauen oder dort mit den Öffis nicht mehr fahren können. Die Kriminalität sei durch Zuwanderung, fehlende Integration und “Bandenbildung” groß, die Entwicklungen an den Schulen “teilweise ein Fiasko”.

Heinz-Christian Strache und der ehemalige Gemeinderat und Kandidat Dietrich Kops bei der Plakatpräsentation in Wien.
Oona Kroisleitner

Nachdem Strache bei der vergangenen Wien-Wahl mit 3,27 Prozent klar am Einzug gescheitert ist, soll es heuer klappen. Die Fünf-Prozent-Hürde glaubt Strache nehmen zu können, in seinem neuen Wohnbezirk Floridsdorf will er ein Direktmandat holen. Auch aufgrund der “Anbiederung” der “Nepp-FPÖ” an Atib, den größten Moscheenverband Österreichs, hofft er auf Stimmen von enttäuschten Blau-Wählerinnen und -Wählern. Zwar bezeichnete der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp die Organisation selbst als “Handlanger” des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, gleichzeitig nahm der blaue Bezirkspolitiker Leo Lugner an einem Fastenbrechen von Atib teil. “Gut integrierte Türken wollen mit Atib nichts zu tun haben”, sagt Strache. Auch diese würden sich an den ehemaligen FPÖ-Chef wenden, der nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos seine Funktionen zurücklegen musste.


Für zwei Wahlkampfwellen, die auf 300 Dreiecksständern und 1100 Plakatflächen plakatiert werden, sowie Flyer (“Reifer! Besser! Strache!”), Broschüren und Feuerzeuge als Wahlkampfgoodies hat Strache ein Budget von rund einer halben Million Euro. Das Geld komme aus Rücklagen und einem Kredit, erklärt der Parteichef. Die Finanzierung sei “relativ bescheiden” im Vergleich zu den großen Parteien.


Im Vergleich zur SPÖ stimmt das. Mit insgesamt rund fünf Millionen Euro Wahlkampfkosten soll Ludwigs Partei gerade noch innerhalb der Wahlkampfkosten-Obergrenze liegen. Auf diese Summe hatte sich Rot-Pink vor dem Wahlkampf geeinigt. (Oona Kroisleitner, 21.3.2025)


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